Ins­be­son­de­re seit der An­kün­di­gung des „Brex­it“ ver­zeich­nen wir ei­ne er­höh­te Nach­fra­ge zu Be­ra­tun­gen in Sa­chen Un­ter­neh­mens­grün­dung, ins­be­son­de­re von aus­län­di­schen In­ves­to­ren, die ei­ne GmbH in Deutsch­land grün­den wol­len. In den Be­ra­tun­gen wei­sen wir im­mer wie­der auf Haf­tungs­ri­si­ken hin, die in die­sem Bei­trag er­ör­tert wer­den sol­len.

Der Ge­schäfts­füh­rer ei­ner GmbH trägt zwei­er­lei Ri­si­ken: die Ver­ant­wor­tung für das Un­ter­neh­men und das Ri­si­ko der per­sön­li­chen Haf­tung. Die­se Haf­tung ist vie­len Ge­schäfts­füh­rern nicht be­wusst.

Üb­li­cher­wei­se zählt als ei­ner der gro­ßen Vor­tei­le der GmbH, dass die­se haf­tet und die han­deln­den Per­so­nen selbst vor Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen schützt. „Not­falls geht die GmbH eben plei­te“ ist häu­fig der ers­te Ge­dan­ke, wenn An­sprü­che von Drit­ten dro­hen, die die GmbH even­tu­ell nicht mehr be­die­nen kann. „Not­falls grün­den wir eben ei­ne neue GmbH“ schließt sich dann oft als „Rettungs-Rezept“ an. Häu­fig ist den han­deln­den Per­so­nen je­doch nicht be­wusst, dass die GmbH kein un­durch­dring­ba­res Schutz­schild ist. So kann der Ge­schäfts­füh­rer in be­stimm­ten Si­tua­tio­nen schnell per­sön­lich in das Vi­sier des Gläu­bi­gers – häu­fig des Fi­nanz­amts – ge­ra­ten. Dies ist ge­ra­de (ins­be­son­de­re seit der dro­hen­den „Brexit“-Gefahr) aus­län­di­schen In­ves­to­ren nicht be­wusst, die mit ei­ner neu­en GmbH am deut­schen Markt auf­tre­ten möch­ten. Da­her ist es wich­tig, zu­min­dest die häu­figs­ten Fäl­le der Haf­tung des Ge­schäfts­füh­rers im Blick zu be­hal­ten.

Der Ge­schäfts­füh­rer ist nicht nur ein lei­ten­der An­ge­stell­ter ei­ner GmbH. Als ge­setz­lich nor­mier­tes Ver­tre­tungs­or­gan der GmbH ver­tritt er die Ge­sell­schaft ge­richt­lich und au­ßer­ge­richt­lich. Häu­fig ist der Ge­schäfts­füh­rer gleich­zei­tig Ge­sell­schaf­ter der GmbH, zum Bei­spiel bei der „Ein-Mann-GmbH.“ Be­steht Per­so­nen­ver­schie­den­heit und ist der Ge­schäfts­füh­rer kein Ge­sell­schaf­ter, nennt man ihn „Fremd­ge­schäfts­füh­rer.“

Der Ge­schäfts­füh­rer er­bringt üb­li­cher­wei­se al­le zur Ver­fol­gung des Ge­schäfts­zwecks der GmbH er­for­der­li­chen ge­wöhn­lich an­fal­len­den Maß­nah­men: sol­che al­so, die zum Be­trieb not­wen­dig sind. Er zeich­net die Ver­trags­ab­schlüs­se mit Lie­fe­ran­ten und führt Ver­hand­lun­gen mit Ver­trags­part­nern. Er wird von den Ge­sell­schaf­tern be­stellt oder be­ru­fen. Han­delt es sich um ei­ne Ein-Mann-GmbH, be­stellt der Ge­sell­schaf­ter sich selbst als Ge­schäfts­füh­rer. Der Ge­schäfts­füh­rer kann je­der­zeit auch wie­der ab­be­ru­fen wer­den. Der An­stel­lungs­ver­trag des Ge­schäfts­füh­rers be­steht in ei­nem sol­chen Fall so­lan­ge wei­ter, bis der Ver­trag frist­ge­recht ge­kün­digt wird. Be­stel­lung und An­stel­lung sind al­so strikt zu trenn­ba­re Vor­gän­ge.

Nach au­ßen hin, al­so Drit­ten ge­gen­über, ist die Ver­tre­tungs­be­fug­nis des Ge­schäfts­füh­rers un­be­schränkt und auch nicht be­schränk­bar. In­tern kann al­ler­dings sehr wohl be­stimmt wer­den, ob es für aus­ge­wähl­te Ge­schäf­te der vor­he­ri­gen Zu­stim­mung der Ge­sell­schaf­ter be­darf.

Da­bei hat der Ge­schäfts­füh­rer die Sorg­falt ei­nes or­dent­li­chen Ge­schäfts­man­nes an­zu­wen­den. Han­delt er nicht so und ver­letzt die­se Sorg­falts­pflicht, geht er das Ri­si­ko ein, sich scha­dens­er­satz­pflich­tig zu ma­chen. Ge­nau in ei­ner sol­chen Si­tua­ti­on bie­tet die GmbH dem Ge­schäfts­füh­rer kei­nen Schutz – er setzt sich per­sön­lich der Ge­fahr von Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen aus.

Bei der Haf­tung ist zwi­schen Außen- (Haf­tung des Ge­schäfts­füh­rers ge­gen­über Drit­ten, zum Bei­spiel Lie­fe­ran­ten, Be­hör­den, Kun­den) und In­nen­ver­hält­nis (Haf­tung des Ge­schäfts­füh­rers ge­gen­über der GmbH und dem/ den Ge­sell­schaf­tern) zu un­ter­schei­den.  Über­schrei­tet der Ge­schäfts­füh­rer sei­ne Be­fug­nis­se, macht er sich im Ver­hält­nis zu den Ge­sell­schaf­tern scha­dens­er­satz­pflich­tig. Nach au­ßen hin ge­gen­über Drit­ten ist das be­tref­fen­de Ge­schäft aber voll wirk­sam. Ge­gen­über Drit­ten be­steht ei­ne per­sön­li­che Haf­tung des Ge­schäfts­füh­rers grund­sätz­lich nicht, hier soll schließ­lich die GmbH haf­ten.

Ver­letzt der Ge­schäfts­füh­rer je­doch die vor­be­schrie­be­ne Sorg­falts­pflicht, haf­tet er per­sön­lich, z. B. …

  1. im Be­reich Steu­ern und Buch­füh­rung (steu­er­li­che Pflich­ten wer­den nicht er­füllt), das Fi­nanz­amt kann ihn al­so per­sön­lich in An­spruch neh­men;
  2. ge­gen­über So­zi­al­ver­si­che­rungs­trä­gern im So­zi­al­ver­si­che­rungs­recht (Ar­beit­neh­mer­an­tei­le der So­zi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge wer­den nicht ab­ge­führt);
  3. bei Ver­let­zung von Ei­gen­tums­rech­ten, zum Bei­spiel wenn er Wa­re ver­kauft, die noch un­ter Ei­gen­tums­vor­be­halt des Lie­fe­ran­ten steht und die noch nicht von der GmbH be­zahlt wur­de;
  4. bei Wettbewerbs-, Urheber- Patent-, Gebrauchsmuster- und Mar­ken­rechts­ver­stö­ßen;
  5. im Rah­men von In­sol­venz, wenn der Ge­schäfts­füh­rer nicht recht­zei­tig ei­nen ent­spre­chen­den In­sol­venz­an­trag stellt;
  6. wenn er bei Ver­trags­ab­schluss nicht deut­lich macht, dass er für die GmbH han­delt und der Drit­te an­nimmt, dass er für sich selbst han­delt (Rechts­schein).

Der Ge­schäfts­füh­rer kann sich in sol­chen Fäl­len nicht dar­auf be­ru­fen, dass er die aus den vor­ge­nann­ten Ge­bie­ten an­fal­len­den Auf­ga­ben an Drit­te (Steu­er­be­ra­ter, Hand­lungs­be­voll­mäch­tig­ten,  etc.) de­le­giert hat. Er bleibt zur Über­prü­fung die­ser Per­so­nen ver­pflich­tet – auch wenn dies in der Pra­xis oft schon rein aus zeit­li­chen Grün­den kaum mög­lich ist. Ins­be­son­de­re kri­tisch ist dies bei nicht deutsch spre­chen­den aus­län­di­schen In­ves­to­ren, häu­fig um­ständ­lich for­mu­lier­tes Amts­deutsch tut dann sein üb­ri­ges.

Um ei­ner per­sön­li­chen In­an­spruch­nah­me zu ent­ge­hen, kann der Ge­schäfts­füh­rer prü­fen, ob der Ab­schluss ei­ner D&O-Versicherung (di­rec­tors and of­fi­cers lia­bi­li­ty insuran­ce) in Be­tracht kommt. Der Ab­schluss kann zum Bei­spiel bei Ab­schluss des Ge­schäfts­füh­rer­an­stel­lungs­ver­tra­ges mit­ver­han­delt wer­den.

Die Aus­ein­an­der­set­zung mit dem The­ma der per­sön­li­chen Haf­tung ist für den Ge­schäfts­füh­rer exis­ten­zi­ell wich­tig.

Die Rechts­an­walts­kanz­lei Bo­ris Zim­mer­mann be­rät Un­ter­neh­men so­wie aus­län­di­sche In­ves­to­ren beim Markt­ein­tritt in Deutsch­land, so­wie zu Al­ter­na­ti­ven in u. a. Lu­xem­burg. Neh­men Sie bei Fra­gen gern Kon­takt zu uns auf.